Rechtslage · Stand 09.10.2026
Casino-Gewinne und Steuer in Österreich
Norm mit Wortlaut und Primärquelle.
Ob Casino-Gewinne in Österreich versteuert werden müssen, beantwortet keine der ausgewerteten amtlichen Quellen ausdrücklich für Spieler. Belegt sind drei andere Dinge: welche Einkunftsarten § 2 Abs. 3 EStG 1988 überhaupt aufzählt, dass die Glücksspielabgabe nach §§ 57 und 59 GSpG beim Anbieter entsteht, und dass das BMF für Einkünfte aus Kryptowährungen einen eigenen Steuersatz nennt. Wie diese Abgaben mit dem Monopol, den Lizenzen und dem geplanten Payment-Blocking zusammenhängen, ordnet der Überblick zur Rechtslage in Österreich ein.
Die Steuerfrage taucht meist erst auf, wenn Geld zurückfließt: nach der ersten größeren Auszahlung, beim Tausch von Coins in Euro oder wenn die Hausbank nach der Herkunft eines Betrags fragt. In Foren aus Österreich ist die Meinung verbreitet, Glücksspielgewinne seien „steuerfrei“, andere Stimmen widersprechen deutlich. Die Abschnitte unten trennen, was im Gesetz und in BMF-Informationen steht, was Spieler behaupten und wofür es keine Angabe gibt. Dauer, Limits und Verifizierung der fünf Anbieter im Vergleich stehen beim Thema Auszahlung im Online-Casino gesammelt an einer Stelle.
I
Was § 2 Abs. 3 EStG als Einkünfte aufzählt
Das Einkommensteuergesetz 1988 legt in § 2 Abs. 3 fest, welche Einkünfte der Einkommensteuer unterliegen. Der Wortlaut beginnt mit „Der Einkommensteuer unterliegen nur“ und zählt danach abschließend sieben Einkunftsarten auf (zuletzt geändert mit BGBl. I Nr. 135/2022):
- Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft,
- Einkünfte aus selbständiger Arbeit,
- Einkünfte aus Gewerbebetrieb,
- Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit,
- Einkünfte aus Kapitalvermögen,
- Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung,
- sonstige Einkünfte im Sinne des § 29.
Glücksspielgewinne werden in dieser Aufzählung nicht genannt. Eine Aussage über Online-Casino-Gewinne ist damit aber noch nicht getroffen, denn die siebte Kategorie verweist auf § 29 EStG und dessen eigene Tatbestände. Eine ausdrückliche Aussage des BMF, wie Gewinne eines Spielers aus einem Online-Casino steuerlich einzuordnen sind, liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor.
Spieler lesen die Lage unterschiedlich. Ein Forennutzer aus Österreich schreibt knapp: „Einkünfte aus Glücksspiel sind in Österreich nicht steuerbar“. Ein anderer hält dagegen, wer sich „regelmäßig Gewinne auszahlen lässt“, bei dem könne „es sehr wohl vorkommen, dass du einkommensteuer abführen musst!“. Beides sind Meinungen aus Diskussionen, keine Fundstellen. Ob häufiges Spielen unter eine der sieben Einkunftsarten fallen kann, beantworten die ausgewerteten Normen nicht; dazu gibt es keine Angabe.
II
Glücksspielabgabe: die Abgabe des Anbieters (§§ 57, 59 GSpG)
Die Abgabe, die das Glücksspielgesetz ausdrücklich an Einsätze und Gewinne knüpft, ist die Glücksspielabgabe. Für elektronische Lotterien beträgt sie nach § 57 Abs. 2 GSpG 45 vH der Jahresbruttospieleinnahmen. Was als Jahresbruttospieleinnahmen gilt, definiert § 57 Abs. 5 GSpG: die Einsätze „abzüglich der ausgezahlten Gewinne“. Bemessen wird also, was beim Anbieter nach Abzug der Gewinne übrig bleibt.
Wann und bei wem die Abgabe entsteht, regelt § 59 GSpG. Bei elektronischen Lotterien entsteht die Abgabenschuld „mit Erhalt der Einsätze und Auszahlung der Gewinne“. Schuldner sind der Konzessionär beziehungsweise Veranstalter und Vermittler. Fehlt die Berechtigung, bestimmt § 59 Abs. 2 GSpG Vertragspartner, Veranstalter und Vermittler als Gesamtschuldner „zur ungeteilten Hand“. Der Spieler wird in diesen Aufzählungen nicht als Schuldner der Glücksspielabgabe genannt.
Nach § 3 GSpG ist das Glücksspiel dem Bund vorbehalten; das Online-Angebot innerhalb des Monopols ist win2day. Ein Spieler meint dazu: „nur Win2Day als online casino ist steuerfrei.“ Eine Fundstelle für diese Unterscheidung liegt nicht vor. Die fünf Anbieter im Vergleich nennen keine österreichische Konzession, sondern Lizenzen anderer Rechtsordnungen:
- HellSpin: Kahnawake (KGC, Nr. 01031, von Casino.Guru überprüft); AskGamblers und LCB nennen zusätzlich Curaçao, AskGamblers außerdem Estland.
- Verde Casino: Curaçao Gaming Control Board, Lizenz OGL/2024/686/0183.
- Nomini: Anjouan (Komoren), Lizenz ALSI-202411077-FI2 laut Casino.Guru und AskGamblers; LCB führt „No license“ bzw. veraltet Curaçao.
- Izzi Casino: Curaçao Gaming Authority (CGA), Lizenz OGL/2024/570/0396.
- Starda Casino: Curaçao Gaming Control Board, OGL/2024/169/0146.
Ob einer dieser Anbieter Glücksspielabgabe in Österreich entrichtet, dazu gibt es keine Angabe.
Ein häufiges Missverständnis steckt in der Suchanfrage „casino auszahlung umsatzsteuer“. In Bonusbedingungen bezeichnet „Umsatz“ den Betrag, der vor einer Auszahlung durchgespielt werden muss, mit einer Steuer hat dieses Wort dort nichts zu tun. Wie Umsatzbedingung, Höchsteinsatz und maximale Auszahlung bei den fünf Anbietern zusammenhängen, erklärt die Seite Bonus auszahlen Schritt für Schritt.
III
Was das BMF zu Lotteriegewinnen sagt
Die einzige vorliegende BMF-Aussage zu einem Gewinn aus Sicht des Gewinners stammt aus den FAQ zum Glücksspielmonopol und betrifft Hausverlosungen. Dort bezeichnet das BMF den gewonnenen Hausgewinn für den Gewinner als einen „nicht steuerbaren Lotteriegewinn“.
Die Aussage ist eng gefasst. Sie betrifft eine Verlosung, bei der ein Haus der Preis ist, und weder Slots noch Tischspiele oder Live-Casino. Wer daraus eine allgemeine Regel für Online-Casinos ableitet, geht über den Text hinaus. Eine vergleichbare BMF-Formulierung zu Gewinnen aus Online-Casinos liegt nicht vor.
IV
Krypto-Gewinne: der Kursgewinn ist ein eigenes Thema (BMF)
Klarer ist die Lage bei Kryptowährungen selbst. Laut BMF gilt für laufende Einkünfte und Kursgewinne aus Kryptowährungen seit 1. März 2022 der besondere Steuersatz von 27,5 Prozent; sie zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Das betrifft erstmals Kryptowährungen, die nach dem 28. Februar 2021 angeschafft wurden. Bis 28. Februar 2021 angeschaffte Coins gelten als Altbestand. Der Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere ist laut BMF kein Veräußerungsvorgang und wird nicht besteuert.
Bei Krypto-Casinos vermischen sich in Diskussionen zwei Ebenen: der Gewinn im Spiel und die Wertänderung der Coins danach. Ein Spieler aus Österreich schreibt: „Glücksspielgewinne sind steuerfrei, auch aus einem crypto-casino“. Ein anderer fragt nach: „Casino gewinne sind nicht zu versteuern? Nur potenziell eine Wertsteiergung zwischen gewinn und verkauf“. Eine dritte Stimme war „der festen Überzeugung, dass die 27,5 % KESt hier nicht greift“, und ist inzwischen unsicher. Wieder andere fragen schlicht: „Sind Gewinne aus einem Kryptocasino (zb. Stake) auch steuerfrei?“
Die BMF-Information zu Kryptowährungen enthält für Coins, die aus einer Casino-Auszahlung stammen, keine eigene Angabe. Belegt ist der Steuersatz für Einkünfte und Kursgewinne aus Kryptowährungen, nicht eine Einordnung des Spielgewinns. Als ein Forennutzer warnte: „Stell dich mal drauf ein, dass die das ans Finanzamt melden“, kam prompt die Rückfrage: „Wie kommst du darauf, dass die Gewinne mit 27,5% zu versteuern sind?“
Wer Coins aus dem Casino auf eine Börse schickt, sollte deshalb den Zeitpunkt der Auszahlung und den Tausch in Euro getrennt festhalten. Wie lange der Weg aus dem Casino dauert, welche Coins die fünf Anbieter listen und was danach beim Tausch passiert, beschreibt die Seite zur Krypto-Auszahlung im Detail.
V
Gewinne belegen können: Bank und Finanzamt
Unabhängig von der Steuerfrage zählt die Nachweisbarkeit. Ein Rechtssatz des VwGH (90/13/0075 vom 23.02.1994) betrifft einen Fall im Abgabenverfahren nach der BAO: Dort wurden nicht nachgewiesene Spielgewinne nicht als Erklärung dafür anerkannt, wie Haushalt und Vermögen finanziert wurden. Die Formulierung lautet, es sei „durch nicht nachgewiesene Spielgewinne zum Lebensunterhalt beigetragen“ worden. Es ist ein Einzelfall aus 1994, und es geht darin nicht um eine Steuer auf Gewinne, sondern darum, ob behauptete Gewinne als Herkunft von Geld anerkannt werden.
Die zweite Stelle, die nachfragt, ist die Bank. Nach § 6 Abs. 1 Z 4 FM-GwG holen Kreditinstitute Informationen über die Herkunft der eingesetzten Mittel ein und überprüfen sie. Welche Unterlagen Banken bei Casino-Eingängen typischerweise sehen wollen und in welcher Reihenfolge man sie ordnet, beschreibt die Seite Bank fragt nach der Herkunft mit Beispielen aus Österreich.
Sinnvoll aufzubewahren sind:
- die Auszahlungsübersicht aus dem Casino-Konto mit Datum und Betrag,
- die Einzahlungsbelege, damit Einsatz und Rückfluss gegenübergestellt werden können,
- die Kontoauszüge mit dem jeweiligen Eingang,
- bei Krypto die Transaktions-IDs und den Verlauf der Börse bis zum Tausch in Euro.
Welche Spur eine Auszahlung hinterlässt, hängt vom Weg ab: Eine Banküberweisung landet direkt auf dem Konto, bei E-Wallet und Krypto liegt ein Zwischenschritt dazwischen, den man selbst dokumentieren muss. Dauer, Mindestbetrag und Gebühren je Weg vergleicht die Übersicht der Auszahlungsmethoden für Spieler aus Österreich.
Belege entstehen erst mit einer abgeschlossenen Auszahlung. Hängt ein Antrag im Status „ausstehend“, wird er storniert oder das Konto gesperrt, fehlt genau der Eingang, den man später nachweisen möchte. Was die Bedingungen der Anbieter zu solchen Fällen sagen, sammelt die Seite zu Probleme mit der Auszahlung nach Status geordnet.
VI
Was offen ist (keine Angabe)
Mehrere Fragen, die Spieler aus Österreich stellen, lassen sich mit den ausgewerteten Quellen nicht beantworten. Für sie gilt: keine Angabe.
- Einkommensteuer auf Spielergewinne: keine Primärquelle von BMF, Findok oder VwGH, die Online-Casino-Gewinne von Spielern ausdrücklich einordnet.
- Quellensteuer: keine Angabe, ob bei einer Casino-Auszahlung Steuer einbehalten wird.
- Umsatzsteuer: keine Angabe zu Casino-Auszahlungen.
- Verluste: keine Angabe, ob Casino-Verluste steuerlich absetzbar sind.
- Steuererklärung: keine Angabe, ob Casino-Gewinne dort anzuführen sind.
- Coins aus dem Casino: keine eigene BMF-Angabe; belegt ist nur der Steuersatz für Kryptowährungen allgemein.
- Meldung an das Finanzamt: keine Angabe, ob Banken Casino-Eingänge melden.
Die Forenmeinungen gehen in beide Richtungen, von „steuerfrei“ bis zur Einkommensteuer bei regelmäßigen Auszahlungen. Eine Stimme schreibt auf Englisch: „casino wins are not taxable in Austria, but Im still worried about the crypto part“. Solche Sätze geben wieder, was Spieler glauben, nicht, was eine Behörde festgelegt hat.
Kurze Antworten
Häufige Fragen zu Casino-Gewinnen und Steuer
Muss ich Casino-Gewinne in Österreich versteuern?
Eine ausdrückliche Aussage von BMF oder VwGH zu Online-Casino-Gewinnen von Spielern liegt nicht vor. § 2 Abs. 3 EStG zählt sieben Einkunftsarten auf, Glücksspielgewinne werden dort nicht genannt; die siebte Kategorie verweist auf § 29 EStG. Eine Schlussfolgerung daraus ziehen die ausgewerteten Quellen nicht.
Sind Casino-Auszahlungen in Österreich steuerfrei?
In Foren wird das oft behauptet, eine Primärquelle für Online-Casinos gibt es dazu nicht. Belegt ist nur, dass das BMF den Gewinn aus einer Hausverlosung für den Gewinner als nicht steuerbaren Lotteriegewinn bezeichnet.
Wer zahlt die Glücksspielabgabe?
Nach § 59 GSpG sind Konzessionär bzw. Veranstalter und Vermittler Schuldner, bei fehlender Berechtigung Vertragspartner, Veranstalter und Vermittler zur ungeteilten Hand. Für elektronische Lotterien beträgt die Abgabe nach § 57 Abs. 2 GSpG 45 vH der Jahresbruttospieleinnahmen.
Gilt für Gewinne aus einem Krypto-Casino der Steuersatz von 27,5 Prozent?
Laut BMF gilt der Satz von 27,5 Prozent seit 1. März 2022 für laufende Einkünfte und Kursgewinne aus Kryptowährungen, die nach dem 28. Februar 2021 angeschafft wurden. Für Coins aus einer Casino-Auszahlung enthält die BMF-Information keine eigene Angabe.
Muss ich Casino-Gewinne in der Steuererklärung angeben?
Dazu gibt es in den ausgewerteten Quellen keine Angabe. Unabhängig davon zeigt der Rechtssatz VwGH 90/13/0075, dass nicht nachgewiesene Spielgewinne im Abgabenverfahren nicht als Herkunft von Geld anerkannt wurden.
Fällt auf eine Casino-Auszahlung Umsatzsteuer oder Quellensteuer an?
Zu beiden gibt es keine Angabe. Der „Umsatz“ in Bonusbedingungen meint den Betrag, der vor einer Auszahlung durchgespielt werden muss, und keine Steuer.
Kann ich Casino-Verluste steuerlich absetzen?
Dazu enthalten die ausgewerteten Normen und BMF-Informationen keine Angabe.
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